(Chihuahueño)
FCI-Standard Nr. 218 / 22.05.1995 / D

 

 

 



Übersetzung:

 

Dr. J.-M.Paschoud und Frau Ruth Binder-Gresly.

 

 

 

Gruppe 9 Gesellschafts-und Begleithunde
Sektion 6 Chihuahueño
Ohne Arbeitsprüfung.

 

Klassifikation FCI :

 

Verwendung:

 

Gesellschaftshund.

 

 

Ursprung:

Mexico.

 

 

Datum der Publikation des gültigen Originalstandards:

22. Mai 1995

 

 

 

 

Kurzer geschichtlicher Überblick:

Der Chihuahua gilt als der kleinste Rassehund der Welt und trägt den Namen der größten Provinz der Republik Mexico. Man nimmt an, dass diese Hunde dort früher in Freiheit lebten und zur Zeit der Zivilisation der Tolteken von den Eingeborenen eingefangen und domestiziert wurden. Darstellungen eines Zwerghundes, der "Techichi" hieß und in Tula lebte, wurden dort für Verzierungen der Stadtarchitektur verwendet; diese kleinen Statuen sehen dem heutigen Chihuahua sehr ähnlich.

Allgemeines Erscheinungsbild:

Dieser Hund hat eine kompakte Körperform. Von ganz wesentlicher Bedeutung ist die Tatsache, dass sein Schädel die Form eines Apfels hat und dass er seine mäßig lange Rute hoch erhoben trägt; entweder ist sie gebogen oder halbkreisförmig gerundet, mit gegen die Lendengegend gerichteter Spitze.

Änderung ab 1995: "Apfelkopf" (den das Tierschutzgesetz im Sinne der "Qualzucht" als zuchtausschließend betrachtet), wird wie folgt definiert:

Als Apfelkopf anzusehen ist, wenn:

a) der Winkel zwischen Fangoberkante und Stirnpartie des Gehirnschädels kleiner als 90° ist,

b) die Länge des Fangrückens ist als die Entfernung vom Fangrücken bis zur horizontalen Ebene, die sich ergibt, wenn bei waagerecht gehaltenem Fang die Waagerechte des höchsten Punktes des Hinschädels ermittelt wird,

c) das Tier übergroße und/oder vorstehende Augen hat, die, von vorn betrachtet, über die seitlichen Begrenzungslinien des Schädels ragen.

Wichtige Proportionen:

Die Körperlänge ist etwas größer als die Widerristhöhe; gewünscht wird jedoch ein fast quadratischer Körper, speziell bei den Rüden. Bei den Hündinnen ist wegen der Trächtigkeit ein etwas längerer Körper zulässig.

Verhalten / Charakter (Wesen) :

Flink, aufmerksam, lebhaft und sehr mutig.

Kopf

Oberkopf:

Schön gerundeter Apfelkopf (ein charakteristisches Merkmal der Rasse) ohne oder mit kleiner Fontanelle. Der Stop ist sehr ausgeprägt, tief und breit, da die Stirne über den Ansatz des Fangs gewölbt ist.

Gesichtsschädel

Nasenschwamm : Mäßig kurz, geringfügig aufgeworfen; jede Farbe ist zulässig. 

Fang :
Kurz, von der Seite gesehen gerade, am Ansatz breit, sich gegen die Spitze hin verjüngend.

Lippen : Trocken und gut anliegend.

Wangen : Wenig entwickelt und sehr trocken.

Zähne :
Scherengebiss oder Zangengebiss. Vorbiss und Rückbiss sowie jede andere Stellungsanomalie der Ober-oder Unterkiefer sind streng zu bestrafen.
Der FCI Standard schreibt nicht zwingend das Vorhandensein eines kompletten Gebisses vor. Solange der Gebißschluss noch zu erkennen ist, sollte es nicht zu hart bestraft werden. Ein typisches Äußeres und korrektes Gebäude, Eigenschaften, die sich vererben, sind einem kompletten Gebiss vorzuziehen. Zuchtzulassungsprüfung (ZZP) ist nicht gefährdet bei Fehlen des P 1 - oben oder unten, oder Fehlen eines Schneidezahnes - oben oder unten.

Augen : Groß und von rundlicher Form, sehr ausdrucksvoll, nicht hervorquellend, vollkommen dunkel gefärbt. Helle Augen sind zulässig, aber nicht erwünscht.

Ohren : Groß, aufgerichtet, entfaltet, breit an ihrem Ansatz, sich gegen die leicht abgerundete Spitze allmählich verjüngend. In der Ruhestellung sind sie seitlich in einem Winkel von 45° geneigt.

Hals

Obere Linie : Leicht gewölbt.

Länge : Mittellang.

Form : Dicker bei den Rüden als bei den Hündinnen.

Haut :
Ohne Wamme; bei der langhaarigen Varietät ist das Vorhandensein einer Halskrause mit längerem Haar höchst erwünscht.


Körperbau

Körper: Kompakt und gut gebaut.

Obere Linie : Gerade.

Widerrist :
Wenig ausgeprägt.

Rücken : Kurz und fest.

Lendengegend : Stark, muskulös.

Kruppe : Breit und stark, ohne Neigung.

Brust :
Brustkorb breit und tief, Rippen gut gewölbt; von vorne gesehen geräumig, aber nicht übertrieben; von der Seite gesehen, bis zu den Ellenbogen reichend; nicht fassförmig.

Untere Linie :
Durch einen deutlich aufgezogenen Bauch gebildet. Ein schlaffer Bauch ist zulässig, aber nicht erwünscht.

Rute :
Hoch angesetzt und von mäßiger Länge; am Ansatz breit, sich gegen die Spitze zu allmählich verjüngend. Die Tragart der Rute ist ein wichtiges charakteristisches Merkmal der Rasse: sie wird entweder hoch im Bogen erhoben getragen, oder halbkreisförmig gerundet mit gegen die Lendengegend gerichteter Spitze, was dem Körper Ausgewogenheit verleiht. Die Behaarung ist entsprechend der Haar-Varietät dem Haarkleid des übrigen Körpers angepasst. Bei der langhaarigen Varietät bildet das Haar eine Fahne. In der Ruhestellung ist die Rute hängend und bildet einen leichten Haken.

Gliedmaßen - Vorderhand:
Gerade und von guter Länge; von vorne gesehen bilden die Vorderläufe mit dem Ellenbogen eine gerade Linie; von der Seite gesehen stehen sie senkrecht mit einem leicht schräg gestellten, kräftigen und biegsamen Vordermittelfuß. Die Schultern sind trocken und wenig bemuskelt; die Winkelung zwischen Schulterblatt und Oberarm ist angemessen. Die Ellenbogen sind fest und eng am Körper anliegend, was eine freie Bewegung der Vorderhand gewährt.

Hinterhand:
Gut bemuskelt, mit langen Knochen, senkrecht und zu einander parallel, mit guten Winkelungen am Hüftgelenk, am Knie und am Sprunggelenk, in Übereinstimmung mit den Winkelungen der Vorderhand. Sprunggelenke (Handmittelfuß) kurz, mit gut ausgebildeten Achillessehnen; von hinten betrachtet sind sie gerade und senkrecht gestellt, nicht eng.

Pfoten:
Sehr klein und oval, mit gut auseinander stehenden aber nicht gespreizten Zehen (weder Hasenpfoten noch Katzenpfoten); die Krallen sind besonders gut gewölbt und mäßig lang; die Ballen sind gut entwickelt und sehr elastisch; Afterkrallen müssen entfernt sein.

Gangwerk:
Der Schritt ist lang und elastisch, energisch und aktiv, mit gutem Vortritt der Vorderhand und gutem Schub der Hinterhand . Von hinten gesehen sollen sich die Hinterläufe zu einander fast parallel bewegen, sodass die Fußspuren der Hinterpfoten genau in diejenigen der Vorderpfoten zu liegen kommen. Mit zunehmender Geschwindigkeit zeigen die Gliedmassen die Tendenz, in Richtung der zentralen Schwerpunktslinie zu konvergieren (single track). Dabei bleibt der Bewegungsablauf frei und lastisch, ohne sichtbare Anstrengung, der Kopf erhoben und der Rücken fest.

Haut:
Glatt und elastisch auf der ganzen Körperoberfläche.

Haarkleid

Haar: In dieser Rasse existieren zwei Haar-Varianten

a) Varietät Kurzhaar :
Das Haar ist kurz und am ganzen Körper gut anliegend; wenn Unterwolle vorhanden ist, ist das Haar etwas länger; lichtes Haar an der Kehle und am Bauch ist zulässig; das Haar ist etwas länger am Hals und an der Rute, kurz im Gesicht und an den Ohren. Es ist glänzend und seine Beschaffenheit ist weich. Haarlose Hunde werden nicht geduldet.

b) Varietät Langhaar :
Das Haar soll fein und seidig sein, schlicht oder leicht gewellt; eine nicht zu dichte Unterwolle ist erwünscht. Das Haar ist länger und bildet Federn an den Ohren,am Hals, an der Hinterseite der vorderen und hinteren Extremitäten, an den Pfoten und an der Rute. Hunde mit langem und aufgebauschtem Haar wie ein Malteser werden nicht akzeptiert.

Farbe des Haares: Alle Farben, in allen möglichen Schattierungen und Kombinationen sind zulässig.

Gebäude Typen:

Der Vorläufer des aktuellen Rassestandards ließ zwei Gebäudetypen zu: den "COBBY-TYPE" und den "DEER-TYPE". Der jetzige Standard beschränkt sich auf den "COBBY"-Type, trotzdem wird nach wie vor der "DEER"-Type toleriert.

COBBY-TYPE: Ohren nicht so extrem gross, dafür breiter im Ansatz. Kopf breiter, mit großerem Abstand zwischen Augen und Ohren. Augen größer und ausdrucksvoller. Fang meist etwas voller (breiter). Gute Brustbreite und -tiefe. Laufknochen kompakter. Kraftvoller Läufer mit gutem Schub aus der Hinterhand. Pfoten kürzer und kompakter. Haarkleid meist mit der gewünschten Unterwolle. Rute dick und meist mit der gewünschten Verdickung in der Mitte.

DEER-TYPE: Oft riesige Fledermausohren, die durch den schmaleren Kopf noch mehr zur Geltung kommen. Fang meist länger und schlanker. Schulter etwas steiler angelegt, Brustkorb in Breite und Tiefe nicht so ausgeprägt, dadurch wirken die Läufe länger. Durch schmalere Aufrippung hat dieser Typ mehr "Luft unter dem Bauch". Hinterhandwinkelung meist etwas schwächer. Die Rute ist in der Regel dünner, die Pfoten länger und schmaler. In der Bewegung sehr leichtfüßig und elegant. Da er wenig Schub entwickelt, benötigt er für die gleiche Strecke mehr Schritte. Das Haarkleid dieses Typs ist bei Kurz- und Langhaar nicht so dicht, Unterwolle kaum vorhanden.

Kurz-/Langhaar-Verpaarungen: Seit Mai 1984 stellt die FCI Züchtern wieder frei, Kurz- und Langhaarchihuahuas miteinander zu kreuzen. Die Vererbung der beiden Haarvarietäten verhält sich wie folgt: Kurzhaar ist dominant über Langhaar. Langhaar verhält sich rezessiv gegenüber Kurzhaar.

Größe und Gewicht: Bei dieser Rasse wird nur das Gewicht in Betracht gezogen, nicht die Größe.

Gewicht : Zwischen 500 g und 3 kg wobei ein Gewicht zwischen 1 und 2 kg den Vorzug hat. Tiere von mehr als 3 kg Gewicht werden disqualifiziert. Zuchtzulassungsprüfung für Hündinnen mindestens
2 kg.

 

Fehler:

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung im genauen Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
- Schmaler Schädel.
- Auge klein, eingesunken oder hervorquellend.
- Langer Fang.
- Zugespitzte Ohren.
- Kurzer Hals.
- Aufgezogener Rücken oder Senkrücken (Lordose oder Xyphose).
- Langer Körper.
- Kurze Gliedmassen.
- Abstehende Ellenbogen.
- Zu eng gestellte Hinterläufe.
- Schmale Brust, flacher Rippenkorb.
- Abfallende Kruppe.
- Schlecht angesetzte, verdrehte oder kurze Rute.
- Vor-und Rückbiss.
- Fehlen einzelner Zähne. (Siehe Kiefer / Zähne)
- Deformierte Kiefer.
- Verdoppelung von Zähne.
- Luxation der Kniescheibe (Patella-Luxation = PL) manuell provozierend (PL 1), selbständiges herausgleiten (PL 2), ständig verlagerte Kniescheibe (PL 3), arthrotische Veränderung (PL 4).

Ausschließende Fehler:
-
Bei der Varietät Langhaar : Hunde mit sehr langem, feinem und wie beim Malteser aufgebauschtem Haar.
- Bei der Varietät Kurzhaar : haarlose Stellen (Alopezien).
- Hängeohr oder kurzes Ohr.
- Fehlen der Rute.
- Gewicht über 3 kg.
- Extrem langer Körper.
- Schlanker, leichter, lang gestreckter hirschähnlicher Typ.

N.B : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich ganz im Hodensack befinden.

Anmerkung von mir: Was viele Chihuahua-Liebhaber nicht wissen, oder auch nicht wissen wollen, ist die Tatsache, dass der Ur-Chihuahua keinesfalls so klein und "püppchenhaft" war, wie ihn die FCI gern sieht. Im Gegenteil. Die Hunde hatten eine Körperhöhe von 25-30 cm, keinesfalls eine offene Schädelfontanelle und auch der Fang war wesentlich länger und ohne diesen ausgeprägten Stop. In einigen Büchern kann man noch Bilder des "Ur-Chis" sehen, die dieses Bild bestätigen.